Anmerkungen
zu
"In einem ADS-Forum"
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Die Minioper befasst sich mit den komischen Verirrungen der hier handelnden Personen, die sich aus dem Angebot der Formel "ADS" auf ganz subjektive Weise bedienen und dabei ihren Glauben um ADS schon für die reinste Aufklärung halten, für die es zu missionieren gilt. Dass diese Vorgänge möglich werden, liegt auch an dem neuzeitlichen Herabsetzen der psychiatrischen Einstiegsschwellen, die so einträglich von den Fachleuten betrieben wird. Wir alle leben seit längerem einer Zeit der Umbrüche, die auch das Verschwinden der "Kindheit" (beschrieben von Neil Postman) bedeutet. Die hieraus resultierenden Ratlosigkeit bei Eltern trifft man fast überall, ihren konsum- und medial geschulten, oft auch insgeheim einsamen Kindern im Alltag überhaupt noch Weisungen geben zu können. Und doch sollte die erste Antwort auf bestimmte Probleme nicht unbedingt eine medizinische sein. Bewirken nicht auch schon bald spürbare Änderungen im Verhalten von kleinen Menschen - deren oftmals durch "Konsum" und "Medien" aufgeheizte Erwartungshaltung und faktisch mediale Gleichstellung mit Erwachsenen sie in einem egalitär anmutenden Niemandsland der Verlockungen und Ängste herumirren lässt - ständig auf der Suche nach dem, was es nicht wirklich gibt und ständig im Konflikt mit der Realität? Stress, Konzentrationsstörungen, kognitive Prozesse, latente Unsicherheit, erlebte Hilflosigkeit, gespürte Einsamkeit, seelische Nöte - alle mentalen Vorgänge haben natürlich eine "chemische" Entsprechung auf der "Hardware"-Ebene, die sich um das Erleben herum formt und auch wiederum das Erleben formt. Niemand wird bestreiten, dass die Materie des Gehirns nicht losgelöst vom Erleben und tatsächlichen Sein existiert, sondern sich mit jedem erlebten Tag in bestimmte Richtungen konfiguriert und auch wiederum selbst das Verhalten prägt. Es könnte jedoch bedeuten, das Pferd von hinten aufzuzäumen, wenn man ganz pragmatisch beschließt, die "Hormone" der "Gestörten" zu manipulieren, um das gewünschte Erleben und Verhalten zu erzeugen. Es kann ebenso sein, dass Menschen mit bestimmten Veranlagungen eher dazu geeignet sind, stellvertretend und früher auffällig zu werden. Wie einst der erste "Langhaarige", der erste "Skin", der erste "Hippie" und so weiter. Erste bestaunte Schwalben als Vorboten der allgemeinen Wetterlage. Wenn man über die Jahre verfolgt, wie zunehmend mehr Kinder als problematisch eingestuft werden, wie immer häufiger der Notstand in den Kinderzimmern der Nation ausgerufen wird, mag man nicht an den Ausbruch genetisch verursachter Störungs-Epidemien als Ursache für diese Vorgänge glauben. Und wenn die Therapie der Störfälle auch immer wieder hauptsächlich darin besteht, den Eltern in Nachhilfekursen (Therapie) die Notwendigkeit von Erziehung und die praktische Durchführung von Führungsansprüchen beizubringen, nachdem ein Schnellkurs zum Erkennen kindlicher Befindlichkeiten durchlaufen wurde, dann stellt sich die Frage, wozu der medizinische Überbau eigentlich von Nöten ist, der natürlich schnellste erfreuliche Resultate (Änderungen innerhalb der Wirkungszeit von ehemals als Stimmungsaufhellern verkauften Stimulantien) anzubieten hat. Nichts haben wir gegen Stimulantien, legale Drogen, Nikotin, Koffein, Alkohol und all die verhandelbaren Größen, für die sich eine Person für sich selbst aus bestimmten Gründen in ihrer speziellen Lage für eine kurzzeitige Kurskorrektur innerhalb eines bestimmten Zeitraums entschieden hat. Es geht uns also um mögliche Risiken und Nebenwirkungen bei der zunehmenden Psychiatrisierung einer Gesellschaft und dem hierbei immer wieder geäußerten Angebot an die "normalen" Eltern, sich gewissermaßen zu "entschulden", in dem man für das Kind eine Diagnose über dessen "Störung" einholt. Dass das Ganze in seiner Tragik auch komisch sein kann, zeigt die kleine Mini-Oper, die nicht boshaft sondern eher absurdistisch gemeint ist. Eine Übertreibung also, nicht unbedingt die Realität. Eine Satire halt. Die mitunter
von der Realität übertroffen wird. |
Hypies 12/04