Hypies Lesetips

 

Selbstkontrolle:

Wie Sie lernen, Versuchungen zu widerstehen

Heft 2 der Zeitschrift Psychologie Heute

 

Nee, wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, dieses Heft mit dieser Frau auf der Titelseite (nettes Identifikationsangebot) in den Einkaufskorb zu legen. Schon deswegen nicht, weil wir dort wieder auf das von unseren Freund Hartmann initiierte Gedankengut gestoßen sind:

"Die Geringschätzung späterer Ereignisse hat sich nach Ansicht von Evolutionspsychologen und Kognitionsforschern in der grauen Vorzeit ausgeprägt. Die frühe menschliche Lebenswelt war geprägt von Unsicherheiten und Gefahren: Wilde Tiere lauerten hinter jedem Busch, Seuchen dezimierten die umherstreifenden Clans der Jäger und Sammler, und das Nahrungsangebot war fast immer knapp und wenig konstant. Im täglichen Kampf ums Dasein war Geduld keine gute Überlebensstrategie. Im Gegenteil: In einer instabilen Umwelt war es meist lebenswichtig, schnell und impulsiv zu reagieren, beispielsweise um sich mit Nahrung zu versorgen, solange sie zur Verfügung stand. Die Menschen lebten sozusagen von Augenblick zu Augenblick, ständig in der Existenz gefährdet.

Durch die damals sinnvolle "impulsive Strategie" sind wir auch heute noch in vielen Lebensbereichen auf impulsives Verhalten programmiert. Das evolutionäre Erbe beeinflusst uns, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.  Wir verhalten uns beim Essen beispielsweise so, als müssten wir die nächsten Tage hungern.

Aber unsere heutige Umwelt unterscheidet sich grundlegend von der Welt der Jäger und Sammler und auch der ersten Ackerbaugesellschaften. Der größte Unterschied: In unserer vergleichsweise sicheren und beständigen Umwelt sind künftige Ereignisse besser vorhersagbar..."

Soweit die Einflüsse von Hartmann und den Evolutionspsychologen. Nun folgen die Ratschläge, deren Überschriften wir hier kurz abtippen, die Zeitschrift muß sich jeder selbst besorgen, der es genauer wissen will.

1. Machen Sie sich den größeren Gewinn bewusst, der im späteren Ereignis liegt.
2. Führen Sie sich die negativen Konsequenzen des impulsiven Verhaltens deutlich vor Augen
3. Schätzen Sie den Wert des unmittelbar zur Verfügung stehenden Genusses realistisch ein
4. Verkürzen Sie die Wartezeit
5. Verhindern Sie die impulsive Entscheidung, indem Sie sich von vornherein festlegen.

Ein weiterer Artikel folgt, der mit der Überschrift "Und führe uns nicht in Versuchung" überschrieben ist und sich der "Epidemie des Selbstkontroll-Versagens" widmet. Dort wird konstatiert, daß 

"noch nie in der menschlichen Entwicklungsgeschichte wurden der Appetit, die angeborenen Gelüste,  die Triebe, die Phantasien und Gelüste so stark von einem Überangebot belagert, bei gleichzeitiger Lockerung aller vormals mühsam erzwungenen Disziplin. Geschwunden sind auch die Ängste  vor den moralischen Konsequenzen, nur noch schwach wirken die sozialen Kontrollen. Weder die einst sanktionsstarken Instanzen wie Familie, Vorgesetzte, Gemeinde noch Religion sind heute noch befugt oder fähig, unsere Impulse dauerhaft unter Kontrolle zu halten. [...] Wir werden darauf programmiert, möglichst oft unseren Impulsen nachzugeben."

So langsam beginnt das ganze doch ein Bild zu werden. Aus dieser Sicht können einen die kleinen ADDer in den Verhaltenstherapien ein wenig barmen, die so tapfer nach dem Modell üben:

STOPP!-   HINSEHEN!-  NACHDENKEN!

Nicht, daß sie es nicht lernen sollten, grad sie, aber welche Aufgabe für ein kleines Monster, das so tapfer sein soll und doch gern zu den "wilden Kerlen" oder "verzauberten Prinzessinnen" gehören möchte.

Wenn man nun noch weis, daß sich in den letzten 30 Jahren die Reizschwelle von Generation zu Generation (als Abwehrmechnismus gegen die immer stärkeren Reizangebote) erhöht hat und ein Reiz heute so stark zu sein hat (und in der Regel auch ist), daß er überhaupt durchdringt, dann kann man sich die Epidemie von Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsproblemen gut erklären.

Das eigentlich Bedenkliche ist, daß die immer "lauteren" Reize nachgewissener Maßen einen immer häufigeren Weg direkt in die Wahrnehmung finden, ohne einen Umweg über moralische Instanzen zu gehen. Es wird wahrgenommen, aber nicht mehr bewertet. Das ist eine Angelegenheit, die immer häufiger zu einem "Pseudo-ADD" führt, das immer weitere Kreise der Bevölkerung erfasst. Aber wir können sie nicht alle adoptieren...

Und in diesem Getümmel befinden sich diese Menschen mit der erblichen Impulsitivität, der offenen Reizleitung und dem herabgesenkten Schutzschild (George Lynn). Machen wir uns nichts vor, es bleibt hart für diese. Da wäre ein wenig Verständnis angebracht.

Eure Hypies

copyright Hypies (tm) 01/2000

weiteres Beiträge:

Amerikanische Evolutionspsychologen in 1998 zu ADD als evolutionär angepaßte Reaktion
(englischer Originalstext)

Buchhinweis: Sandra Felton: Das Chaos ist besiegt!

 Hypies Coaching Tips zur Strukturierung des Alltags

Debatte Hartmann ./. Barkley in 1999

Barkley über "mangelnde Inhibition in zeitlichen Zusammenhängen"

Teile des Beitrages über ADD und Intelligenz hinsichtlich "mangelnder Inhibition"

und so weiter, und so weiter