Hypies Kontroverse

Thom Hartmann ./. Russel Barkley

Barkley über Hartmann: 
"Rege Phantasie und nichts anderes als "nette Stories'".

 

 

Dr. Russel A. Barkley 
Führende Person des Vereins CHADD

Es ist wohl kein Wunder, daß der Name Hartmann auf den Internet-Seiten des CHADD konsequent nicht genannt wird

 

Dr. Barkley: "Behauptungen wie diese von Hartmann und Shelley-Tremblay / Rosen sind gefährlich.

Auf lange Sicht behindern sie die Anerkennung des ADHD als eine behandlungsbedürftige Störung in der Bevölkerung und verstellen dem Betroffenen den Weg zu einer adäquaten Therapie."

Übersetzt von Dr. med. Dieter Claus
- OptiMind(R)-Institut -

 


Hartmann in Richtung Russel Barkley: 

"Weil all die Studien geradezu nach einer Behinderung innerhalb eines spezifischen und eng gezogenen Rahmens von Fähigkeiten suchen, sollte es uns nicht verwundern, daß die meisten davon zielstrebig diese Defizite auch finden.

Weil die Veröffentlichungen der Psychologie- und Psychiatrie-Industrie sich ausschließlich mit Pathologie befassen (es gibt zum Beispiel keine Definition von "normal" in dem Diagnostischen und Statistischen Handbuch der American Psychiatric Association), sollte es uns nicht verwundern, wenn sie nach ihren eigenen Maßstäben beständig fündig werden. 

Und es sollte uns nicht überraschen, wenn diese Industrie sich nicht darum bemüht, die zu sehen oder nach denen Ausschau zu halten, die  in der Gesellschaft nicht "versagen", die daher keine Kunden sind."

Übersetzung: Na klar, Eure Hypies

Thom Hartmann
Autor, und NLP-Therapeut,
 
sieht die positive Umarbeitung der negativen Bilder, die ein ADDer von anderen über sich empfangen hat, als wichtigen Moment des Heilungsprozesses. Sieht in Barkleys Pathologisierungen eine abschließende Verurteilung.

 

Bisher ist diese in den USA und England öffentlich geführte Auseinandersetzung an uns vorbei gegangen, zu weit weg scheint dieses Land vom Puls der Zeit. Aber jetzt kommt sie doch noch zu uns, denn das vor kurzem gegründete OptiMind(R)-Institut  hat es sich nicht nehmen lassen, mit seiner ersten Lebensäußerung überhaupt, den international bekannten Schriftsteller Thom Hartmann eben mal kurz anzuschießen.

 

ADHD, Jäger und Evolution: "Nette Stories zu ADS" 
(zum Lesen anklicken)

Von Sam Goldstein, Ph.D., und Russell A. Barkley Ph.D.; Oktober 1998
Übersetzt: Dr.
med. Dieter Claus

 

Diese Übersetzung als einzige Äußerung zum Thema kann nur als eindeutige Parteinahme gesehen werden. Das Institut mit dem Patent für die Optimind(R)-Methode läßt  in seiner ersten "News" vorzugsweise Dr. Russel Barkley zu Wort kommen, der aus seiner wissenschaftlich / pathologisch ausgerichteten Weltsicht gegen den experimentellen / betroffenen Hartmann schreibt.  

Wir finden es dennoch gut, daß Thom Hartmann und seine erfrischenden und immer wieder abweichenden Ansätze selbst in Deutschland wichtig genug sind, daß man ihnen diese Priorität beim Plattmachen einräumt. 

Hartmanns Theorien von ADD, die man grob vereinfachend als primär einer "Störung durch andere" übersetzen könnte, stehen dem besser verwertbaren Konzept des armen "ADD-Gestörten"  im Weg, das versteht man schnell, wenn man seine Bücher gelesen hat. Hartmanns Bücher wollen mehr, als daß sich der gestörte ADDer den Umständen irgendwie anpaßt.

Insgesamt tut uns die Kenntnisnahme dieser kontroversen Standpunkte grad hier in Deutschland gut, denn die Front der Vertreter der ausschließlich pathologischen Sicht des ADD ist in Deutschland noch stärker als in den USA. 

Aber vielleicht sollten wir einige Stimmen aus dem Ausland zu Worte kommen lassen, die sich in die Auseinandersetzung eingemischt haben:

 

Bob Seay (add.about.com) schrieb postwendend am 13.10.99 in einer Kolumne:

"Die ganze Debatte könnte sehr gut ein Vers aus John Godfrey Saxe's Gedicht "The Blind Men and the Elephant" sein.

Barkley hat auf ADHD herabgesehen, wie auf einen Feind, den man überwinden muß. In diesem Sinne hat er Bände von Untersuchungen angesammelt. Barkley kennt die erste Regel des Krieges: "Erkenne Deinen Feind". Hartmann wurde mit ADD durch die Schulprobleme seines Kindes bekannt. Er folgerte, daß nicht das Versagen seines Kindes diese Probleme verursachte, sondern daß es sich um ein Versagen des Schulsystems und des Erziehungswesens im Ganzen handelte.

Hartmann geht an ADD mit dem Standpunkt eines Menschen heran, der ADD und Begabung als praktisch das selbe sieht.  Während er anerkennt, daß es Unterstufen des ADD gibt, bei denen Menschen sehr erfolgreich sein können, während andere sich nicht selbst unterstützen können, behauptet er, das es sich dabei im wesentlichen um soziale Größen handelt und weniger um pathologische. Offensichtlich besteht dieser Streit nicht nur zwischen Barkley und Hartmann. Wäre das der Fall, könnten wir sie beide auf die Straße schicken und es  mit einer Prügelei im Hunter/Farmer-Stil austragen lassen.

Es ist interessant zu beobachten, daß viele von denen, die behaupten, daß ADD eine Krankheit ist, Forscher sind, die kein ADD haben. Da gibt es ganze Webseiten, die sich ADD als einem Unterschied und nicht einer Behinderung widmen oder dem Thema, wie sich ADD im Zusammenhang mit Begabtenförderung darstellt. Auch hier beachte man bitte, daß diese Seiten von Leuten geschrieben werden, die ADD haben, während die Internetseiten über "Erziehung des ADD-Kindes" oder "Unterrichtung des ADD-Kindes" meist und dann ausschließlich aus der Perspektive der Behinderung geschrieben werden.

Wer meine Seiten kennt, kann wahrscheinlich aus dem Gedächtnis mein Glaubensbekenntnis rezitieren: 'Es ist keine Störung, solange es Dein Leben nicht ruiniert.'

Barkley würde sagen, daß wenn es Dein Leben nicht ruiniert, es auch kein ADD ist. Hartmann würde behaupten, daß Du ADD haben könntest, aber Du hast gelernt, die Eigentümlichkeiten in einer positiven Weise zu nutzen."

 

Oder nehmen wir diesen Artikel von Dr. Peter Jaksa (National ADDA/USA), der den Titel "Die Blüten und die Dornen" trägt und in  "FOCUS", der Zeitschrift der  National ADDA veröffentlicht wurde. Dort heißt es:

"Die groben 'Schlachtlinien' sind gezogen, zwischen empirischen studien-basierenden Annäherungen, wie sie Dr. Russel Barkley und seine Kollegen anbieten und den mehr experimentellen Annäherungen, die Thom Hartmann und einige andere anbieten.

Die Forscher schauen auf Statistiken von Menschen,  die im großen und ganzen Behandlungen für Verhaltensprobleme wünschen und in ihrem Leben zu kämpfen haben. Aus diesem Grunde erfahren diese 'klinischen' Menschen ein vermehrtes Auftreten von Problemen aller Art, Schul- und Arbeitsversagen, emotionelle Probleme und so weiter. Die Schlußfolgerungen die oft angeboten werden, sind, daß ADD eine sehr negative Bedingung ist, die das Leben der Menschen zerstört und daß daher die Geschichte von den Vorteilen dieser Kondition eine Erfindung ist. Was es braucht, seien daher mehr Therapieplätze, mehr Anpassungen im Alltag und mehr Gesetze, die diese benachteiligte ADD-Bevölkerung schützen. [...]

Viele Menschen mit ADD wissen intuitiv, daß an dieser biologischen Kondition  mehr ist, als Nummern und Statistiken jemals einfangen können. Viele der führenden Professionals und Experten für ADD, wie Dr. Hallowell, Dr. Ratey, Dr. Quinn, Dr. Nedaeu und viele andere, haben sogar eine ausgesprochene Bewunderung für die positiven Seiten des ADD in ihren Büchern und Reden ausgedrückt, wie sie auch andererseits die Probleme und Beeinträchtigungen kennen, die ADD verursachen kann. Es sollte niemanden überraschen, daß jeder dieser Fachleute kundgetan hat,  selbst ADD zu haben. Zyniker mögen dies als Zeichen  positiver Voreinstellung oder sogar von Wunschdenken halten. Die aber mit ADD leben, können diese Sichtweisen als Merkmal von Einsichten und Verständnis schätzen, das niemals von einer kontrollierten Studie oder einem tabellierten Fragebogen abstammen kann. [...]

Mancher wird versucht sein, diese negative/positive Konzeptualisierung des ADD als einen Kampf der Negativität kontra Hoffnung, Pathologie gegen Begabung, Statistik gegen Menschen, oder gar Licht gegen Dunkelheit anzusehen. Extreme Positionen einzunehmen ist selten zu jemandens Vorteil oder Unterstützung; nicht zu vergessen, der Schaden, der an Fairness und einfachen Wahrheiten angerichtet wird. Thom Hartmann wird sich bestimmt kein Luke-Skywalker-Kostüm anziehen und Dr. Barkley wird nicht die Bühne als Darth Vader betreten wollen. Man sollte sie nicht in solche Stereotypen verwandeln. Wir sollten, um fair zu bleiben, einen realistischen Blick auf das werfen, was jeder von ihnen zu bieten hat. Nur blinde Arroganz glaubt an die Segnung der eigenen Version der Wahrheit. [...]

Es braucht Schriftsteller wie Thom Hartmann und Mediziner wie Hallowell und Ratey in ihrem "Zwanghaft Zerstreut", Nadeau und Quinn in ihren vielen Büchern und im "ADDvance Magazin" und andere wie Sari Solden, um die Blüten des ADD zu sehen, die inmitten der rankenden Zweige und Dornen erscheinen."

 

Wir fragen uns, warum es in Deutschland so wenig wahrscheinlich ist, daß wir in einer Vereinszeitschrift einen solch freimütigen Artikel werden lesen  können. Macht doch mal, dann können wir früher ins Bett und mal richtig ausschlafen.

Wer nun die Übersetzung des OptiMind-Institutes gelesen hat, der sollte abschließend noch einmal ein Ohr in Richtung Thom Hartmann halten, der über eine überraschend andere Studie berichtet, die nicht in das Bild des Dr. Barkley passen würde, das sich in der o.g. Übersetzung prachtvoll zeigt:

"Eine der interessantesten Studien, in der ADHD-Personen gegen "normale" Personen getestet wurden, ist die, bei der die Fähigkeit untersucht wurde, Notfälle in den Griff zu bekommen, was die Forscher als "dringende Aufgaben" bezeichneten:

Die Zusammenfassung liest sich so:

Von der 'Attention-Defizit Hyperaktivitäts Störung (ADHS) wurde angenommen, eine angepaßte Antwort auf höchste drängende Situationen (highyl urgent situations) in primitivem Jagdverhalten darzustellen. In der vorliegenden Studie wurden auf der Basis eines neu entwickelten 10-Punkte-Mess-Systems, das die Beteiligung an dringenden  Aufgabenstellungen mißt, 31 Erwachsene mit erklärtem ADHD mit 33 normalen Erwachsenen verglichen.

Die interne Konsistenz der Skala war angemessen und die Gruppe mit ADHD erzielte signifikant höhere Werte als die Kontrollgruppe, wie anfangs angenommen wurde. Validierung und weitere Entwicklung dieser Skala wird erforderlich, damit diese ein Hilfsmittel in den Studien der Durchführung von hoch dringlichen Aufgabenstellungen wird.'

Man möchte sagen: Und sie dreht sich doch ...

 

Wir hoffen, wir haben signifikant schnell reagiert,  nach dem wir gestern nacht die Barkley-Übersetzung im Internet gefunden haben. Keine schlechte Reaktionszeit, gelt.

Eure Hypies

 

* * * ENDE * * *

 03:01 Uhr, 12.01.2000

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