Hypies Hall of Fame
bert
brecht
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Johanna : Wieder beginnt das Lärmen der Betriebe, man hört es. Und versäumt ist wieder Ein Einhalt. Wieder läuft Die Welt die alte Bahn unverändert. Als es möglich war, sie zu verändern Bin ich nicht gekommen; als es nötig war Daß ich kleiner Mensch half, bin ich Ausgeblieben.
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Johanna: |
Geredet habe ich auf allen Märkten Und der Träume waren unzählige, aber Den Geschädigten war ich ein Schaden Nützlich war ich den Schädigern. Eines habe ich gelernt und weiß es für euch Selber sterbend: Was soll das heißen, es ist etwas in euch und Kommt nicht nach außen! Was wißt ihr wissend Was keine Folgen hat? Ich zum Beispiel habe nichts getan. Denn nichts werde gezählt als gut, und sehe es aus wie immer, als was Wirklich hilft, und nichts gelte als ehrenhaft mehr, als was Diese Welt endgültig ändert: sie braucht es. Wie gerufen kam ich den Unterdrückern! O folgenlose Güte! Unmerkliche Gesinnung! Ich habe nichts geändert. Schnell verschwindend aus dieser Welt ohne Frucht Sage ich euch: Sorgt doch, daß ihr die Welt verlassend Nicht nur gut wart, sondern verlaßt Eine gute Welt! Denn es ist eine Kluft zwischen unten und oben, größer als Zwischen dem Berg Himalaja und dem Meer Und was oben vorgeht Erfährt man unten nicht Und nicht oben, was unten vorgeht. Und es sind zwei Sprachen oben und unten Und zwei Maße zu messen Und was Menschengesicht trägt Kennt sich nicht mehr. |
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DIE SCHLÄCHTER UND VIEHZÜCHTER sehr laut, so daß Johanna überschrien wird: |
Soll der Bau sich hoch erheben Muß es Unten und Oben geben. Darum bleibt an seinem Ort Jeder, wo er hingehört. Fort und fort Tue er das ihm Gemäße Da er, wenn er sich vergäße Unsre Harmonien stört. Unten ist der Untere wichtig Oben ist der Richtige richtig. Wehe dem, der je sie riefe Die unentbehrlichen Aber begehrlichen Die nicht zu missenden Aber es wissenden Elemente der untersten Tiefe!
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Johanna |
Die aber unten sind, werden unten gehalten Damit die oben sind, oben bleiben Und der Oberen Niedrigkeit ist ohne Maß Und auch wenn sie besser werden, so hülfe es Doch nichts, denn ohnegleichen ist Das System, das sie gemacht haben: Ausbeutung und Unordnung, tierisch und also Unverständlich. |
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DIE SCHWARZEN STROHHÜTE zu Johanna |
Du mußt gut sein! Du mußt schweigen! |
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DIE SCHLÄCHTER |
Die im freien Raume schweben Können sich doch nicht erheben Steigen heißt: auf andre steigen Und das Nach-dem-Oben-Greifen Ist zugleich ein Tritt nach unten. |
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MAULER |
Handelnd mußt du, ach, verwunden! |
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DIE SCHWARZEN STROHHÜTE |
Stets bewußt des blutigen Schuhes - |
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DIE SCHLÄCHTER |
Nicht versuch ihn abzustreifen! Denn du brauchst ihn, stets aufs neue - |
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DIE SCHWARZEN STROHHÜTE |
Mußt du stets nach oben zeigen. Doch vergiß uns nicht die Reue! |
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DIE SCHLÄCHTER |
Tue alles! |
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DIE SCHWARZEN STROHHÜTE |
Aber tu es: Immer mit Gewissensbissen Denn als Betrachtender Selbst Dich verachtender Hast du Gewissen! Merket auf, Handelnde! Bei euren Einkäufen Vergeßt nicht das herrliche Vor allem bei Scheinkäufen Ganz unentbehrliche Fort und fort Immer sich wandelnde Gotteswort. |
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JOHANNA |
Darum, wer unten sagt, daß es einen Gott gibt Und ist keiner sichtbar Und kann sein unsichtbar und hülfe ihnen doch Den soll man mit dem Kopf auf das Pflaster schlagen Bis er verreckt ist. |
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SLIFT |
Hört ihr, ihr müßt etwas sagen, womit ihr diesem Mädchen das Wort abschneidet. Ihr müßt reden |
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SNYDER |
Johanna Dark, fünfundzwanzig Jahre alt, erkrankt an Lungenentzündung auf den Schlachthöfen Chigagos, im Dienste Gottes, Streiterin und Opfer! |
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JOHANNA |
Und auch die, welche ihnen sagen, sie könnten sich erheben im Geiste Und steckenbleiben im Schlamm, die
soll man auch mit den Köpfen auf das Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt
herrscht, und |
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ALLE singen die erste Strophe des Chorals, damit Johannas Reden nicht mehr gehört werden: |
Reiche den Reichtum den Reichen! Hosianna! Die Tugend desgleichen! Hosianna! Gib dem, der da hat! Hosianna! Gib ihm den Staat und die Stadt! Hosianna! Gib du dem Sieger ein Zeichen! Hosianna! |
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Während dieser Deklamationen beginnen die Lautsprecher Schreckensnachrichten zu verkünden: |
"STURZ DES PFUNDES! DIE BANK VON ENGLAND SEIT DREIHUNDERT JAHREN ZUM ERSTEN MALE GESCHLOSSEN!" und "ACHT MILLIONEN ARBEITSLOSE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN!" und "DER FÜNFJAHRESPLAN GELINGT" und "BRASILIEN SCHÜTTET EINE JAHRESERNTE KAFFEE INS MEER!" und "SECHS MILLIONEN ARBEITSLOSE IN DEUTSCHLAND!" und "DREITAUSEND BANKINSTITUTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ZUSAMMENGEBROCHEN!" und "VOR HENRY FORDS FABRIK FINDET EINE SCHLACHT ZWISCHEN POLIZEI UND ARBEITSLOSEN STATT!" und "DER GRÖßTE EUROPÄISCHE TRUST, DER ZÜNDHOLZTRUST, VERKRACHT!" und "DER FÜNFJAHRESPLAN IN VIER JAHREN!" |
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Unter dem Eindruck der Schreckensnachrichten schreien sich die jeweils gerade nicht Deklamierenden wilder Beschimpfungen zu, wie: |
"Dreckige Schweinemetzger, hättet ihr nicht zuviel geschlachtet!" und "Elende Viehzüchter, hättet ihr mehr Vieh gezüchtet!" und "Ihr wahnsinnigen Geldschaufler, hättet ihr mehr Leute eingestellt und bessere Löhne bezahlt, wer soll sonst unser Fleisch fressen?" und "Der Zwischenhandel verteuert das Fleisch!" und "Die Getreideschieber sind es, die das Vieh verteuern!" und "Die Frachtsätze der Eisenbahn schnüren uns den Hals zu!" und "Die Bankzinsen ruinieren uns!" und "Wer kann solche Mieten für Viehställe und Getreidesilos bezahlten!" und "Warum fangt ihr nicht an mit dem Abbau!" und "Wir haben doch abgebaut, aber ihr baut nicht ab !" und "Ihr allein seid die Schuldigen!" und "Bevor man euch nicht aufhängt, wird es nicht besser!" und "Du gehörst schon lange ins Zuchthaus!" und "Warum läufst Du noch frei herum?"
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die heilige johanna der schlachthöfe