Hypies Hall of Fame

Steven war kein liebes Kind!

- Aus der Kindheit des Steven Spielberg - 

 

Geboren: 18.12.1946 

Steven Spielberg

"Er war mein erstes Kind, und deshalb wusste ich nicht, dass nicht alle Kinder so waren wie er. Ich versuchte nur, mich nicht unterkriegen zu lassen."

Leah 

 

"His badness was so original, that there weren't even books to tell you what to do about it." 

"Seine Vergehen waren so einmalig, das kein Buch Antwort oder Rat geben konnte."

Leah Adler, Mutter

 


"Meine Kindheit war die  fruchtbarste Zeit meines Lebens.  Jene angsterfüllten, traumatischen  Jahre, die ich als Kind verbrachte,  sind zur Grundlage dessen  geworden, womit ich heute meinen  Lebensunterhalt verdiene, aus  ihnen beziehe ich meine  künstlerische Inspiration."

Steven Spielberg

 

Auf die kleinste Andeutung einer gefährlichen oder erschreckenden Situation hin packte Steven Spielberg entweder seinen Vater am Arm oder schlug die Hände vors Gesicht.  

Im Kino

Als der Achtjährige in Schneewittchen und die sieben Zwerge erlebte, wie sich die böse Königin plötzlich in ein altes Weib verwandelte und ein Skelett in Staub zerfiel, brach er zitternd in Tränen aus

Die nächsten drei Nächte mußte er bei seinen Eltern im Bett schlafen. 

 

Bambi erwies sich als eine nicht minder traumatische Erfahrung, "weil die ganze Familie in einem Feuer umkam". In dem Zeichentrickfilm Fantasia verkroch er sich bei der Episode "Nachts auf dem kahlen Berg" unter den Sitz.

 

Phobien, Angst und Poltergeister

Steven war ein hoffnungsloser Fall. Aus seinen Kindheitsängsten sollten sich lebenslange Phobien entwickeln - ein Horror vor Insekten, Flugangst, Beklemmungen in Fahrstühlen, Vorbehalte gegen Achterbahnen und sogar eine Abneigung gegen Möbel mit Füßen, bei denen Spielberg ständig das Gefühl hat, dass sie sich gleich quer durch den Raum in Bewegung setzen.

"Als Steven klein war, wollte er oft, das ich beim Klavierspielen den Deckel des Flügels öffnete, damit er die Saiten sehen konnte. Wenn sie sich dann bewegten, ließ er sich auf den Boden fallen und schrie vor Angst. " Leah Adler, Mutter.

Schon der Baum im Garten, der sich mit seinen langen, knotigen Ästen im Wind hin- und herwiegte, konnte den für Eindrücke empfänglichen Jungen in Angst und Schrecken versetzen (dieser Baum wurde später in "Poltergeist" verwandt)

Die knarrende Tür des Wandschranks weckte Horrorvorstellungen von entsetzlichen Dingen, die aus dem dunklen Inneren hervorkommen mochten. Das leiseste Quietschen einer Bettfeder ließ ihn vermuten, ein Ungeheuer lauere, unter dem Bett.

Ein Riss in der Wand? Unheimliche Geschöpfe hausten dort. Die Clownspuppe seiner Schwestern? Das höhnische Grinsen verriet ihr wahres Wesen. Andererseits ging Spielbergs "Grusel" meist mit einem wohligen Schauder einher. 

Kurz, er genoss es, sich zu fürchten.

 

 

Schule

Trotz aller Bemühungen war Spielberg in der Schule nicht sonderlich erfolgreich. 

Er las stockend, und bei dein Gedanken, in der Klasse aufstehen und vorlesen zu müssen, brach ihm der Angstschweiß aus. Da er sich weder durch Geschicklichkeit noch durch kräftigen Körperbau auszeichnete, war er für sportliche Spiele nicht sehr zu haben und wurde deshalb von seinen Klassenkameraden als zurückgeblieben gehänselt.

Auch im Biologie-Unterricht zog er den Spott seiner Mitschüler auf sich, als er beim Sezieren von Fröschen zusammen mit einigen Mädchen nach draußen stürzte, um sich zu übergeben. Halbwegs im Einklang mit seiner Umgebung stand er erst, als er nach Musikstunden bei seiner Mutter Klarinette spielen gelernt hatte und von der vierten Klasse an im Schulorchester mitmarschierte. 

Rodeoparaden stellten freilich ein Problem dar. Wenn er sich auf die Noten konzentrierte und gleichzeitig versuchen mußte, nicht aus dem Gleichschritt zu geraten, trat er auf mehr "Pferdeäpfel" als irgend jemand sonst in seiner Bekanntschaft.

 

 

Das Kinderzimmer als Freiflughalle

Sein Kinderzimmer war der einzige Bereich, in dem er frei schalten und walten konnte. Da er ganz vernarrt in Vögel war, hatten ihm seine Eltern ein Paar Sittiche geschenkt, zu denen sich nach und nach sechs weitere Exemplare gesellten. Er ließ sie frei fliegen und brachte ihnen bei, auf der Vorhangstange zu sitzen, wo sie ständig die Gardinen bekleckerten.

Spielbergs Mutter beschränkte ihre Besuche im Reich ihres Sohnes auf das Notwendigste. Nur gelegentlich bahnte sie sich pflichtschuldigst ihren Weg über den knirschenden, mit Vogelfutter bestreuten Boden, um die schmutzige Wäsche einzusammeln. Sie haßte frei umherfliegende Vögel und den Dreck, den sie machten, doch ihren Sohn liebte sie heiß und innig, und das genügte Leah.

 

Handtücher unter der Zimmertür

Abends waren es entweder Opa Fievel (erinnert sich jemand an den Zeichentrickfilm "Feivel der Mauswanderer"?) der sich aber die alten Zeiten ausließ, oder ein Vater, der mit einem halben Dutzend Kollege, bei einem Kasten Bier über die neuesten technischen Entwicklungen diskutierte. Tagsüber waren es seine Mutter und ihre Freundinnen, die beim Kaffeeklatsch zusammensaßen oder auf dem Klavier herumklimperten. Alle schienen es darauf abgesehen zu haben, ihn auch zu Hause nicht zur ersehnten Ruhe kommen zu lassen. 

Selbst wenn er Handtücher unter seine Zimmertür stopfte, um die Geräuschkulisse zu dämpfen, überkam ihn Beklemmung. Der einzige andere Zufluchtsort, der ihm tagsüber blieb, war das Wohnzimmer, was aber bedeutete, dass er sich beim Fernsehen anstrengen musste, um das Läuten des Eismanns zu hören, für ihn der Höhepunkt des Tages.

 

Heimliches Fernsehen

 

Wenn seine Eltern ausgingen, wartete er so lange, bis der Babysitter eingeschlafen war. Dann schlich er nach unten und saß gebannt vor dem Fernseher, den er auf ganz leise gedreht hatte. 

Als er später alt genug war, tun selbst die Rollt, des Babysitters zu übernehmen, verschlang er alles, was die Glotze an unerlaubten Genüssen zu bieten hatte, wobei er sich darauf verließ, dass seine Schwestern es nicht wagen würden, ihn zu verpetzen.

Den Trick seines Vaters, ein Haar über dem Einschaltknopf des, Fernsehgeräts zu platzieren, hatte er schnell durchschaut. Sorgfältig prägte er sich die Position des Haars ein und legte es nach jeder Mammutfernsehnacht mit Serien wie Polizeibericht (Dragnet), Die Honeymooners oder der komischen Soupy Sales Show an dieselbe Stelle zurück. Beendet wurde dieser Fernsehmarathon des nach eigener Aussage des Fernsehsüchtigen um Punkt 22.30 Uhr, wenn die lokale Rundfunkanstalt ihr Programm beendete.

 

Der Meister des Schabernacks betritt die Bühne

Spielberg erinnert sich an Scottsdale als einen langweiligen Ort, an dem nichts geboten wurde. Für jede Abwechslung mußte man selbst sorgen. Und so betritt der Meister des Schabernacks die Bühne.

Erdnußbutter an die Fensterscheibe eines Nachbarn zu schmieren schien zunächst eine großartige Idee, bis er die Scheibe selbst wieder säubern mußte, Seine Schwestern pflegte er zu terrorisieren, indem er sie tagsüber in Wandschränke sperrte oder sich nachts mit einer Taschenlampe unter dem Kinn in ihr Zimmer schlich und schrie "Ich bin der Moooond."

Monatelang ängstigte er Ann, Sue und Nancy mit der Behauptung, ein Pilot aus dem Zweiten Weltkrieg verrotte in seinem Wandschrank. Er forderte sie so lange heraus, sich das anzusehen, bis sie der gruseligen Mutprobe nicht ohne Beklommenheit zustimmten. Er wartete, bis es dunkel war, öffnete dann schwungvoll die Schranktür und leuchtete mit einer Taschenlampe auf einen Plastikschädel mit Schutzbrille und Helm. Noch Stunden später zitterten seine Schwestern vor Angst.

 

 
"Wissen Sie, man lebt sein Leben, bekommt Kinder, und plötzlich stellt sich heraus, dass eines dieser Kinder Steven Spielberg ist ... Die Leute fragen mich, ob ich wusste, dass Steven ein Genie war.
 
Nein ich wusste nicht, was Steven war!"
 

Lea Adler, Mutter

 

Falsche Nase

Die ständigen antisemitischen Sticheleien, die sich Spielberg in der Schule anhören musste, führten zu dem vergeblichen Versuch, seine, wie er es nannte, "große Schnozz" mit Hilfe eines Klebebands umzuformen. 

Zu diesem Zweck wurde das Klebeband um die Spitze der Nase gewickelt und mit dem anderen Ende weit oben auf der Stirn befestigt, um so das Anstoß erregende Objekt nach oben zu biegen und am weiteren Wachstum zu hindern. Seine Befangenheit legte sich erst, als sich Nase und Gesicht im Laufe der Jahre miteinander "verwuchsen".

 

Kreative Folter


Sue erinnert sich an die "kreative Folter" der sie alle unterworfen waren.

 "Einmal kam er als Mumie in unser Zimmer, das Gesicht vollständig mit Toilettenpapier umwickelt. Schicht für Schicht schälte er sich dann aus dem Papier heraus und warf damit nach uns! Er war stets für eine Überraschung gut. Und wir konnten nicht genug davon kriegen."

Nancy beschreibt, wie die Schwestern einmal mit ihren Puppen spielten, während ihr Bruder vor sich hin sang, als trete er im Radio auf. Plötzlich unterbrach er die Sendung "für eine wichtige Meldung". Er kündigte an, dass ein Tornado im Ansturm sei und er seine Schwestern über die Schulter nehmen und retten würde. Wenn sie es jedoch wagten, ihn dabei anzusehen, würden sie zu Stein verwandelt werden.

"Seine Streiche waren so ausgefallen, dass man sich noch nicht einmal aus Büchern Rat holen konnte, was dagegen zu tun sei", bemerkt Leah. "Einmal schnitt er einer von Nancys Puppen den Kopf ab und servierte ihn ihr auf einem Teller, garniert mit Salat und Tomaten. Steve war kein liebes Kind!"

 

The Terror of the Burning Doll's House

Mit zehn Jahren übernahm Steven allmählich das Kommando im Haus. Er schaffte so viele Gerätschaften fürs Filmen an, dass die elterliche Wohnung fast wie ein kleines Filmstudio wirkte. 

Überall stolperte man über dicke elektrische Kabel, Scheinwerfer und Kamerawagen. "Mom, morgen drehen wir", pflegte er anzukündigen, und seine Mutter nahm es hin. So entstanden Streifen wie "The Terror of the Burning Doll's House" (Der Schrecken des brennenden Puppenhauses), auch bekannt unter dem Titel "Castles of Fire" (Paläste des Feuers).

Leah erinnert sich, wie ihr Sohn seine drei jüngeren Schwestern herumkommandierte. "Und sogar mich. Das Wohnzimmer war der Drehort. Wir sagten nie nein. Wir hatten gar nicht die Chance, nein zu sagen. Es war ein Wort, das Steven nicht verstand. Er spannte uns alle für sich ein. "

Ann berichtet, wie ein typisches Wochenende verlief "Jeden Samstagmorgen gönnten sich unsere Eltern eine Erholung von uns vier Kindern. Kaum hatten sie das Haus verlassen, stürzte ich in mein Zimmer und versuchte die Tür zu verrammeln. Doch für Steven war dies kein Hindernis, er verschaffte sich Zugang und boxte mich nach draußen. Als nächstes kamen Sue und Nancy dran, wenn sie irgend etwas angestellt hatten. Nachdem er uns allen eine Abreibung verpaßt hatte, machten wir uns gemeinsam daran, seine Filme zu drehen."

Spielberg, der in der Schule selbst drangsaliert wurde, tyrannisierte zu Hause nun seinerseits die Schwestern. 

 

Würgende Geräusche vom obersten Rang

 

Zunehmend verlagerten sich seine Streiche in den filmischen Bereich. Bei einer Vorführung von Versunkene Welt (The Lost World) im größten Kino von Phoenix, einem Filmpalast mit 1200 Sitzen und zwei Rängen, wartete er im obersten Rang zusammen mit einigen Freunden auf den spannendsten Augenblick des Films. 

Genau im richtigen Moment kippten sie dann eine Mischung aus Weißbrot, Milch, Parmesankäse und Erbsen über die unglücklichen Zuschauer unter ihnen, während sie gleichzeitig würgende Geräusche von sich gaben. Anschließend brachten sie sich so schnell wie möglich über die Feuerleiter in Sicherheit.

 

Neue Technik

Eines Tages brachte das Familienoberhaupt einen winzigen Transistor mit nach Hause und erklärte, daß diese Neuheit nichts weniger als den Beginn eines neuen Zeitalters ankündige. Steven nahm den Transistor in die Hand, betrachtete ihn verständnislos von allen Seiten - handelte es sich vielleicht um etwas Eßbares? - und schluckte ihn prompt hinunter. Verdutzt lachte Arnold, doch nur kurz. Dann machte er ein finsteres Gesicht. Als Science-Fiction-Freak, der von der bevorstehenden Verwirklichung solcher Zukunftsvisionen überzeugt war, fand er, dass dies nicht zum Spaßen war.

 

Boheme der Vorstadt

Sue bestätigt den Einfluß ihres Vaters auf Steven. "Stevens Begeisterung für Technik und sein meisterhafter Umgang mit ihr gehen natürlich auf unseren Vater zurück. Unsere Mutter dagegen war künstlerisch veranlagt, mit allen möglichen verrückten Einfällen. Ihr hat Steven seine Kreativität zu verdanken. Wir waren die Boheme der Vorstadt. Und alles drehte sich um Steven."

 

  Der junge Unternehmer

Selbst wenn der junge Filmemacher nicht seine eigenen Werke zeigte, ließ sich in den Sommerferien mit der Vorführung von ausgeliehenen Filmklassikern wie Davy Crockett - König der Trapper (Davy Crockett) Geld verdienen. Dazu stellte er den Projektor seines Vaters im Wohnzimmer auf und verlangte 25 Cent Eintritt, während seine Mutter und seine Schwestern in der Pause Limonade und Popcorn verkauften. 

Um noch mehr Geld für seine Filmausrüstung aufzutreiben, rief Spielberg in den Schulferien einen Schädlingsbekämpfungsservice für Bäume ins Leben. Er verlangte 75 Cent pro Baum, und bei durchschnittlich 20-25 Bäumen pro Tag konnte er in einer guten Woche bis zu 75 Dollar verdienen.

 

Kirschen-Massaker

Einmal beschloss Spielberg, zu Hause in der Küche überkochende Kirschen zu filmen, die explosionsartig aus einem Schnellkochtopf herausquollen. Gehorsam machte sich Leah auf den Weg zum Supermarkt, um mit einem gewaltigen Vorrat an Obstkonserven zurückzukehren.

Erst als sich auch der Inhalt der letzten Dose über die Küchenwände ergossen hatte und der dunkelrote, klebrige Fruchtsaft die nagelneuen, handpolierten Eschenschränke hinuntertroff, war ihr Sohn zufrieden.

In den nächsten Jahren gehörte es nun zu Leahs morgendlichem Pflichtprogramm - nach dem Aufstehen, dem Zähneputzen und dem Kaffeekochen -, mit einem feuchten Schwamm einen weiteren Versuch zu unternehmen, die Obstflecken zu entfernen.

Unverkennbar avantgardistische Tendenzen traten zutage, als Leah ihren Sohn bat, die Familie in ihrem Kabriolett zu fotografieren. Was Spielberg statt dessen aufnahm, waren die Radkappen. Leahs Kommentar: "Ich hätte mir gleich denken können, daß das etwas zu bedeuten hatte! "

 

 

Erster Spielfilm

Beim ersten richtigen Spielfilm des aufstrebenden Jungregisseurs verkleideten sich ein paar Freunde aus der Pfadfindergruppe als Cowboys und mimten einen Postkutschenüberfall. Der Streifen mit dem Titel The Last Shootout (Die letzte Schießerei) dauerte dreieinhalb Minuten, wurde mit einem Budget von 10 Dollar gedreht und brachte seinem jugendlichen Produzenten eine Pfadfinderehrenmedaille ein.

So routiniert, wie Steven im Befehligen seiner eigenen Familie war, entdeckte er bald, daß es noch mehr Spaß machte, Außenstehende herumzukommandieren. Sein nächstes Projekt war ein fünfzehnminütiger Kriegsfilm mit dem Titel Escape to Nowhere (Flucht ins Nirgendwo), mit dem er einen Amateurfilmpreis zu gewinnen hoffte.

Um überhaupt eine Chance zu haben, mußte er diesmal mit realistischen Spezialeffekten aufwarten. Er hob zu diesem Zweck zwei Gruben aus, über die er ein mit Mehl bedecktes Brett legte und alles mit Gestrüpp tarnte. Als seine "Nazis" dann darüberliefen, erzeugte das Mehl eine perfekte Explosionsfontäne. Es war überzeugend genug, um ihm den ersten Preis in Höhe von 50 Dollar einzubringen.

 

 

"Wäre ich nicht bei den Pfadfindern gewesen, wäre aus mir sicherlich ein Axtmörder oder ein Metzger in einem jüdischen Feinkostladen geworden."

Steven Spielberg

 

Fundstellen
Andrew Yule, Steven Spielberg, Father of the Man
His Incredible Life, Tumultuous Times and Record-Breaking Movies
Die Eroberung Hollywoods, Lichtenberg
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 Hypies im Internet 04/2002