Der durchschnittliche Zeitraum zwischen erstem Auftreten der Symptome und der Diagnose von Tourette Syndrom und OCD beträgt 17 Jahre.

 

Zwangsstörungen

( OCD = obsessive compulsive disorder)

 

Typische Zwangsideen bei Kindern und Erwachsenen sind die Angst vor Vergiftungen, Festhalten an Glücks- oder Unglücksnummern, Angst vor Einbrechern, Bedürfnis nach Ordentlichkeit und exzessive Zweifel. Diese angsterfüllenden Gedanken können zu Zwängen wie ständiges Säubern, Waschen, Berühren, Zählen, Organisieren, Kontrollieren, Überwachen und Hamstern führen. Man kann sich das wie einen bösen Ohrwurm vorstellen, der nicht weggehen will, bis man nicht etwas Bestimmtes dagegen getan hat.

 

Rückzug als Reaktion: "Was ich in meiner Praxis oft beobachte ist, daß Kinder mit diesen wilden Gefühlszuständen dazu neigen, all die guten Nachrichten über ihren Selbstwert vergessen und die wütenden Signale der anderen zum Maßstab ihres Selbstgefühls machen. Sie beginnen, sich als schlecht, ungeliebt oder unwert zu verstehen. Oder sie entwickeln merkwürdige Ideen in denen sie sich für Tage einkapseln, zwanghaften Gedanken widerstehend oder nachgebend." Dr. George Lynn

 

 

Ein Kind mit Zwängen und Besessenheiten kann ein Familie komplett wirr machen. Besessenheiten sind dumme oder ängstigende Gedanken, die das Kind nicht aus seinem Kopf herausbekommt. So peinigend die Besessenheiten auch sind, die physischen Zwänge, die einsetzen, um die Ängste der Besessenheit zu mildern, können sich sogar noch bedrückender auf das Kind und seine Familie auswirken.

Diese Zwänge sind die Folge einer inneren Gehorsamkeit gegenüber der Besessenheit, um dem Kind ein Gefühl der Sicherheit geben. Es wird vielleicht seine Hände unaufhörlich waschen, um sich vor Keimen zu schützen, bis man es mit Nachdruck aus dem Waschraum schleifen muß. Es kann über Stunden das Licht hunderte Male ein und ausschalten, um sich "Glück" zu sichern. Es mag verlangen, daß alles im Hause "genauso so" geordnet sein muß. Beispielsweise kann das Kind auch ein paar Duzend Mal innerhalb einer Stunde Zähl- oder Kontrollrituale tätigen, um sicher zu sein, daß jede Schublade exakt geschlossen wurde und sich Jegliches genau an seiner "richtigen" Stelle befindet. Es mag notwendig werden, daß zwei Kissen jede Nacht präzis in der selben Weise gelegt werden oder das Kind wird nicht schlafen können. Es nervt und streitet über Dinge, bis jeder sich ein wenig irr fühlt und erpreßt so, daß man sich unaufhörlich mit ihm beschäftigt. Tiefgreifende Ablehnung kann die Folge sein.

Phobien oder unerklärliche Ängste begleiten Besessenheiten und isolieren das Kind weiterhin. Es wird vielleicht nicht vor die Tür gehen wollen, weil es fürchtet, daß seine Anwesenheit Autofahrer ablenkt und dadurch Unfälle geschehen. Oder es kann sich Todesfurcht beim Kind einstellen, daß vielleicht Keime es krank machen, wenn es etwas berührt, das andere berührt haben. Allein die Vorstellung, Papier zu berühren, kann dem Kind unerträglich sein.

Diese Dinge machen es zuweilen sehr schwierig in der Schule. Besessenheit ist nur einen Steinwurf von den notorischenWutanfällen entfernt .Weil das Gehirn des Kindes mit Besessenheit angefüllt ist, erlebt es akute Angst, wenn es gehindert wird, die Spannungen der Besessenheit dadurch zu erleichtern, daß es seinen Zwängen nachgeht. Tatsächlich fühlen viele Kinder, daß sie in tödlicher Gefahr schweben, wenn sie sich dem Diktat der Besessenheit widersetzen. "Wenn ich auf die Spalte auf dem Gehweg trete, wird der Rücken von Großmutter brechen!" Kein Wunder, daß es wütet, wenn man ihm erzählt, es solle sich diese dummen Gedanken aus dem Kopf schlagen. Besessenheiten und Zwänge begleiten oft andere Verhaltensproblemstellungen, die mit emotionaler Unbeständigkeit, Depression und Hyperaktivität einhergehen.

Des Kindes Besessenheit kann sich in früher Kindheit einfinden und ab da ein ständiges Merkmal sein, das auch in der Pubertät noch anzufinden ist. Zwänge und Besessenheit können aber auch aus dem Nichts heraus auftauchen, wenn das Kind die Pubertät erreicht. Wenn sie zu dieser Zeit auftauchen, sind sie gewöhnlich weniger im Verein mit Aufmerksamkeits-Problemen zu finden und existieren als reiner Typus der Diagnose OCD - besessen zwanghaftes Verhalten. Kinder mit dieser Diagnose werden oft nicht die Zeichen von Hyperaktivität oder Angriffslust derjenigen Kinder aufweisen, bei denen die Besessenheit gegenüber den Hauptrichtung ADHD oder Tourette Problemen nachrangig ist.  Dr. George Lynn

 

Ein Beispiel aus der Sicht von Eltern:

"In den letzten paar Tagen hat er ein Pferd gestohlen, die Zügel ruiniert, eine Geschichte aufgetischt darüber daß er nicht arbeiten müsse und hat hierdurch seinen neuen, hart errungenen Job verloren, ist in unser Haus eingebrochen, hat Geld aus meinem Portemonnaie gestohlen und ist getürmt, als ich forderte, er solle bleiben und sich einem Gespräch stellen, was wir mit diesen Problemen anfangen sollten. Er ist nur noch extrem oppositionell, was ungefähr 90 % der täglichen Aufgaben angeht, er verweigert so einfache Dinge wie Zähne putzen oder Duschen. Er trägt die selben Klamotten Tag für Tag, weil er sich weigert, diese zu waschen, aufzuhängen und zusammenzulegen. Jede Konfrontation endet damit, daß er extrem feindlich wird..." Martie

"Die Beschreibung Deines Sohnes erinnert mich genau an die, die ich noch vor sechs Monaten über meinen 12-jährigen Sohn gegeben haben würde. Angefangen mit den Klauereien, dann die Probleme mit der Eigenpflege, die Wut und das Dinge werfen, ständig wütende und trotzige Herausforderung. In einem klaren Augenblick hab ich mit ihm hingesetzt, nach einer Woche, die ich dem Psychiater als "Höllenwoche" beschrieben hatte und wir redeten. Nun, tatsächlich habe ich Fragen gestellt und er antwortete. Ich war wie vor den Kopf geschlagen von seinen Antworten. Es war so offensichtlich das er OCD hatte. Er beschrieb mir die klassischen Zeichen und Symptome. Ich nahm die Diskussion auf Band auf und der Psychiater war erstaunt, als er zuhörte.

Mein Sohn wurde dann mit schwerem OCD diagnostiziert und ist nun seit 6 Monaten auf Paxil. Er duscht nun wieder, wäscht sein Haar, seine Diebstähle haben aufgehört und er ist nun wieder eine wirkliche Person." Colleen

 

Eine Umfrage unter erwachsenen OCD-Patienten fand heraus...

Die Umfrage zeigt, daß 80 % der heutigen Erwachsenen mit OCD während des Aufwachsens, Schwierigkeiten hatten, anderen ihre Symptome zu erklären.

Empörung, der Mangel an Kenntnis über diese Erscheinung und die Furcht, nicht verstanden zu werden, waren die am meisten genannten Gründe, über die Probleme nicht zu sprechen.

Eine Mehrheit der Antworten besagten, daß OCD die folgenden Aspekte der Entwicklungsjahre negativ beeinflußte: Freude an der Kindheit (81 Prozent), Beziehung zu den Eltern (63 Prozent), Schulischer Erfolg (58 Prozent), Teilnahme an Aktivitäten (56 Prozent) und die Fähigkeit Freunde zu finden (55 Prozent).

Über 56 Prozent dachten, sie könnten sich irgendwie "zusammenreißen" oder es "abschütteln", während die Hälfte glaubte, sie würde da "eines Tages irgendwie rauswachsen".

Die Hauptwünsche der Umfrage-Teilnehmer waren eine frühzeitigere Diagnose (27 Prozent) und eine frühzeitigere Behandlung (24 Prozent).

An der Umfrage nahmen per Brief 696 erwachsene Amerikaner teil, die zur Zeit OCD haben und schon als Kinder OCD hatten. Die Umfrage wurde entworfen und durchgeführt von der Ketchum Public Relations Research and Measurement Department for Solvay Pharmaceuticals, Inc. and Pharmacia & Upjohn, Inc.. Sie wurde durchgeführt um das Ausmaß der Wirkung herauszufinden, die OCD auf Menschen hat, die mit dieser Ausprägung aufgewachsen sind.

 

Eure Hypies


 

Auszüge George Lynn (mit freundlicher Genehmigung) unter anderem aus:

Survival Strategies For Parenting Your ADD Child: Dealing With Obsessions, Compulsions, Depression, Explosive Behavior, and Rage, by George T. Lynn, M.A., C.M.H.C., Underwood Books, Grass Valley, CA, 1996)