Hypies Rätsel
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Humpty-Dumpty, der Herr der Worte, |
Die zwei Uhren von Lewis Carroll - Lösung des Rätsels -
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| Vielleicht hätten wir Euch mehr über Humpty Dumpty
erzählen sollen, damit ihr das Rätsel lösen könnt. Nehmen wir zum
Beispiel sein Gespräch mit Alice, das bringt uns schon ein Stückchen
weiter:
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| "Ich
weiß nicht, was Du mit dem Wort 'Ruhm' meinst",
sagte Alice. Humpti Dumpty lächelt verächtlich. "Natürlich weißt Du das nicht - bis ich es Dir sage. Ich meinte damit, das ist ein 'nettes hau-um-Argument' für Dich." "Aber 'Ruhm' heißt doch nicht 'ein nettes hau-um-Argument'", wandte Alice ein. "Wenn ich ein Wort gebrauche", sagte Humpty Dumpty, in einem ziemlich verletzenden Ton, "bedeutet es genau das, was ich damit sage - nicht mehr und nicht weniger." "Die Frage ist", sagte Alice, "ob du Worten so viele Bedeutungen geben kannst." "Die Frage ist", sagte Humpty Dumpty, "wer der Herr ist - das ist es." Alice war zu verwirrt, um etwas zu sagen, daher begann Humpty Dumpty nach einer Minute erneut: "Sie haben ihre Launen, manche von ihnen - besonderst Verben: Das sind die stolzesten - mit Adjektiven kannst du alles machen, aber nicht mit Verben - egal, ich komme mit allen von ihnen zurecht! Undurchdringlichkeit! Das ist, was ich dazu sage!" "Würdest Du mir bitte sagen", sagte Alice, "was das bedeutet?" "Nun sprichst Du wie ein einsichtiges Kind", sagte Humpty Dumpty und sah sehr zufrieden aus. "Ich meinte mit "Undurchdringlichkeit', daß wir genug über diese Angelegenheit gesprochen haben und es wäre genauso gut, wenn Du nun erwähnen würdest, was Du als nächstes tun wirst, da ich annehme, daß Du nicht meinst, hier für den Rest Deines Lebens zu stehen." "Das ist ein ziemlicher Job, ein Wort so viel bedeuten zu lassen", sagte Alice mit einem nachdenklichen Ton. "Wenn ich ein Wort so harte Arbeit leisten lasse", sagte Humpty Dumpty, "bezahle ich es immer extra." "Oh", sagte Alice. Sie war zu verwirrt, um eine weitere Äußerung zu tun. "Ah, Du solltest sie am Samstag sehen, wenn sie alle bei mir vorbeikommen, um ihre Löhne bei mir abzuholen, weißt Du", fügte Humpty Dumpty hinzu und wiegte sein Haupt würdevoll von einer Seite zur nächsten. (Alice unternahm keinen weiteren Vorstoß zu fragen, womit er sie denn bezahlen würde und daher kann ich es leider euch nicht erzählen). Aus: Alice - durch den Spiegel, von Lewis Carroll, Übersetzung Hypies
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| So, nun habt Ihr eine ungefähre Vorstellung, mit wem
wir es zu tun haben. Lewis Carroll hat mit Humpty Dumpty eine
Angelegenheit Person werden lassen, die uns irgendwie bekannt vorkommt.
Wer die Worte beherrscht, hat gewonnen. Worte haben meist den
dahinterliegenden Interessen zu dienen und wer ihren Sinn bestimmt,
leitet die Wirklichkeit am Bändchen. Daher gibt es übrigens dieses
Gezerre um die Begriffe "aufmerksamkeitsverschieden" und
"aufmerksamkeitsgestört", aber wir schweifen ab.
Nun zu unserem Rätsel. Wollen doch mal sehen, was hier geschieht: |
| Zwei Uhren (von Lewis Carroll)
Welches ist die bessere Uhr, eine Uhr die nur einmal im Jahr die richtige Zeit zeigt oder eine Uhr, die jeden Tag zweimal korrekt anzeigt? "Die zweite natürlich", sagst Du, "ohne Frage." Sehr gut, nun folge mir. |
Lösung, schrittweise:
Hier legt Humpty Dumpty die intuitiv gegebene Antwort nahe, daß etwas wohl besser ist, was immerhin zweimal am Tag die korrekte Zeit anzeigt, als etwas, was nur einmal im Jahr die korrekte Zeit zeigt.
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| Ich habe zwei Uhren: Eine geht überhaupt nicht und die andere geht
jeden Tag eine Minute nach: welche würdest Du bevorzugen? "Die,
die nachgeht", sagst Du, "ohne
jeden Zweifel."
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Hier legt Humpty Dumpty die intuitiv gegebene Antwort
nahe, daß etwas wohl besser ist, was immerhin nur eine Minute am
Tag nachgeht, als eine Uhr, die überhaupt nicht geht.
Die an ihn gegebene Antwort ist schon weniger intuitiv und eher pragmatisch, realistisch. Tatsächlich steht die eine Uhr und zeigt aktiv überhaupt keine Zeit an - sie ist wertlos, während die zweite Uhr nicht wertlos ist, da sie zwar zunehmend nicht die exakte Zeit anzeigt, aber mit etwas täglicher Nachhilfe dazu gebracht werden könnte.
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| Beachte nun dies:
Diejenige Uhr, die jeden Tag eine Minute nachgeht, muß zwölf Stunden, oder siebenhundertzwanzig Minuten nachgehen, bevor sie wieder richtig geht, daher zeigt sie nur in zwei Jahren einmal die richtige Zeit, wohingegen die andere die richtige Zeit jedes Mal dann richtig anzeigt, wenn es Zeit dafür ist, was jeden Tag zweimal geschieht. |
Nun werden von Humpty Dumpty die Tatsachen über die Uhren
auf den Tisch gelegt, jedoch wird weiterhin behauptet, beide Uhren
würden aktiv eine Zeit anzeigen und die stehende Uhr zeigte die
richtige Zeit wunderbarerweise genau dann, wenn es Zeit dafür ist.
Jetzt braucht es noch etwas Zahlenjonglierei, die Humpty Dumptys Überlegenheit ausbaut. |
| So, nun hast Du Dir einmal widersprochen. | Hier wird die erste Runde gepunktet, um die Positionen festzuschreiben. |
| "Ah, aber", sagst Du,
"was
ist der Nutzen davon, zweimal am Tag die richtige Zeit ablesen zu
können, wenn ich nicht weiß, wann dieser Zeitpunkt ist?"
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Holla, jetzt beginnt das eigentliche Verwirrspiel. Denn dieser an Humpty Dumpty gerichtete Einwand ist nur zu berechtigt, weil es tatsächlich nur möglich ist, zu einem außerhalb Mitwirkungsmöglichkeiten der stehenden Uhr erkennbaren Zeitpunkt die richtige Zeit abzulesen, da die Uhr selbst nicht aktiv eine Zeit anzeigt. |
| Aber warum, nimm an, die Uhr zeigt auf acht Uhr,
siehst Du dann
nicht, daß die Uhr die korrekte Zeit um genau acht Uhr
anzeigt? Konsequenterweise, wenn acht Uhr eintritt, stimmt Deine Uhr.
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Hier wieder ein Spiel mit den Worten, das nahelegt, das
die Uhr aktiv etwas anzeigt und daß die Uhr
stimmt. Die Uhr ist es nicht, die stimmt oder die korrekte
Zeit anzeigt.
Tatsächlich ist der Betrachter der Uhr korrekt, wenn er um acht Uhr die Uhr sieht, um dort diese unveränderliche Angabe abzulesen. |
| "Ja, ich sehe dies",
sagst Du.
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Die korrekt Antwort hätte lauten müssen, "nein ich sehe dies nicht", weil die Frage nicht beantwortet wurde, wie man nun wissen könne, "wann dieser Zeitpunkt ist". |
| Sehr gut, damit hast Du Dir zum zweiten Mal widersprochen: Nun versuche aus den Schwierigkeiten herauszukommen, so gut Du kannst und widersprich Dir nicht noch einmal, wenn Du es vermeiden kannst. | Eine Umkehrung der Tatsachen - Humpty Dumpty hat widersprochen und statt einer Lösung für die an ihn gerichtete Frage zu liefern, hat er ein Paradox geliefert, auf das die meisten Menschen mit Hilflosigkeit reagieren. |
| Du könntest die Frage äußern,
"Woher weiß ich, wann acht Uhr eintritt. Meine Uhr wird es mir
nicht sagen."
Sei beruhigt: Du weißt, daß wenn acht Uhr eintritt, Deine Uhr stimmt; daher ist Deine Regel die folgende: Behalte die Uhr genau im Auge und genau in dem Augenblick, wo Deine Uhr stimmt, wird es acht Uhr sein.
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Hier nun nutzt Humpty Dumpty die inzwischen planvoll
eingetretene Verwirrung und stellt selbst die noch immer unbeantwortete
Frage, des richtigen Zeitpunkts.
Aber die Antwort ist eines Humpty Dumpty würdig: Wenn die Uhr stimmt, ist der Zeitpunkt heran. Dies ist eine entgültige Verwirrung der festen Größen. Die Uhr stimmt natürlich überhaupt nicht, es ist eine außerhalb der Möglichkeiten der Uhr liegende Größe, zu stimmen. Die Verdrehung der Tatsachen ist diese: Es wird nicht (zufällig) acht Uhr sein wenn die Uhr stimmt (als Rückschluß, der von dem Betrachten der Uhr ausgeht), sondern es ist acht Uhr, wenn man auf der inaktiven Uhr eine zutreffende Anzeige entdeckt. Daher ist die Behauptung, daß in dem Augenblick, wo die Uhr stimmt, es acht Uhr ist, die genaue Verkehrung der Tatsachen. Die Zeit stimmt, die Uhr stimmt (aktives Tun) überhaupt nicht.
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| "Aber -", sagst Du. Nun, das
reicht. Je mehr du argumentierst, desto weiter entfernst Du Dich vom
Punkt, daher können wir es nun auch ebenso gut abbrechen...
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Und nun die für Humpty Dumpty typische rasche Entfernung vom Thema, wenn er genügend Verwirrung gestiftet hat. Jede weitere Behandlung des Uhrenproblems könnte näher an den Punkt heranführen, daher Themenwechsel. |
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| Hier noch einmal die Worte, die am nächsten Samstag
bei Humpty Dumpty extra bezahlt werden müssen:
* Die stehende Uhr stimmt Wenn ihr auf Humpty Dumpty trefft, der Euch etwas über Uhren, Walrosse, Segelwachs, Stören und Gestörtsein erzählen will, seid gewarnt. Er ist schwer zu überführen und kommt so überzeugend daher, daß man ihm kaum widersprechen mag, sondern die Widersprüche gern bei sich selbst sucht. Es braucht mehr als reine Intuition, ihm im Gespräch standzuhalten, solange er die Begriffe und Bilder für sich arbeiten läßt und am Samstag dann Extra-Gelder für die beständige Schwerarbeit der Worte auszahlt. |
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